Cancel-Kultur-Hauptstadt Chemnitz – Schließung des Cafés „Julius“

Das Café „Julius im Schocken“ im Staatlichen Museum für Archäologie Chemnitz – smac – wird zum Ende August 2026 schließen. Es ist nach Julius Sommerfeld, einem jüdischen Opfer des Nazi-Regimes benannt. Er ist der Großvater von Nirit Sommerfeld, die das Café bisher betrieben hat. Der Grund der Schließung ist, dass entgegen der bisherigen Vereinbarung, politische Veranstaltungen zukünftig nicht mehr erlaubt sein werden. Nirit Sommerfeld ist eine bekannte Schauspielerin und Autorin, die sich engagiert in gesellschaftliche Debatten einbringt. Ihre Haltung gegenüber der israelischen Regierung und den Verhältnissen im Staat macht sie in bestimmten Kreisen unbeliebt.
 
Dazu der Chemnitzer Abgeordnete Nico Rudolph, Sprecher für Frieden, Europa und Ostdeutschland der BSW-Landtagsfraktion sowie Mitglied des Aufsichtsrates der GGG, dem Vermieter der Räumlichkeiten:
 
Dass einer jüdischen Kulturschaffenden im Jahr der Jüdischen Kultur die Räumlichkeiten für ihre Veranstaltungen entzogen werden, ist vollkommen unangemessen und grenzt an Geschichtsvergessenheit. Zu ihrer Gesprächsreihe ‚Tacheles – Gespräche auf dem Goldenen Sofa‘ sind teilweise deutlich über 100 Personen erschienen. Es gab bereits einmal eine Zeit in Deutschland, in der Juden ihre Meinung nicht offen nennen konnten. Dass das nie wieder passiert, sollte in Deutschland eigentlich Grundkonsens sein. Aber in Zeiten der Kriegstüchtigkeit wird ‚Cancel Culture‘ nicht nur geduldet, sondern offenbar forciert. Umso schlimmer, dass das gerade noch in der Stadt passieren muss, die 2025 den Namen ‚Kulturhauptstadt Europas‘ tragen durfte. Chemnitz soll 2026 scheinbar zur Hauptstadt der Cancel-Culture werden.“
 
Verantwortlicher Vermieter ist die kommunale Wohnungsgesellschaft GGG. Dazu Rudolph:  
 
Das Verhalten der GGG ist unangemessen. Man hört aber hier und da, dass der Oberbürgermeister hauptverantwortlich für diesen Kurs sein soll. Falls das stimmen sollte, zeigt das erneut das Messen mit zweierlei Maß, das von der Stadtspitze bei allen Fragen mit internationalem Bezug an den Tag gelegt wird.
Nirit Sommerfeld sollte nun die Solidarität der Stadtgesellschaft, der Kulturschaffenden und der Friedensbewegten in Sachsen zukommen.“

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