Gedenken in Zeithain: Erinnerung bewahren – ohne Ausgrenzung

Am 23. April habe ich gemeinsam mit meinem Fraktionskollegen Prof. Dr. Jörg Scheibe an der Gedenkveranstaltung zum 81. Jahrestag der Befreiung des Kriegsgefangenenlagers Zeithain teilgenommen. Die Rote Armee befreite das Lager am 23. April 1945 – rund 30.000 Menschen, vor allem Kriegsgefangene aus der Sowjetunion, verloren hier unter unmenschlichen Bedingungen ihr Leben.


Die Gedenkveranstaltung in Zeithain war würdevoll gestaltet und bot einen angemessenen Rahmen, um der Opfer zu gedenken. Für mich stand dabei im Vordergrund, an das Leid der Menschen zu erinnern, die in diesem Lager unter entwürdigenden Bedingungen gefangen gehalten wurden und vielfach nicht überlebten. Orte wie Zeithain machen deutlich, welche Folgen Krieg, Ideologie und Entmenschlichung konkret haben.

Gerade deshalb ist es wichtig, dass Erinnerung nicht selektiv erfolgt. Mit Bedauern habe ich zur Kenntnis genommen, dass diplomatische Vertreter der Russischen Föderation sowie Weißrusslands nicht eingeladen waren – obwohl ein Großteil der Opfer aus der damaligen Sowjetunion stammte. Auch vor dem Hintergrund, dass das Lager in der NS-Zeit als „Russenlager“ bezeichnet wurde, ist diese Entscheidung schwer nachvollziehbar.

Ich habe dieses Bedauern auch im Gespräch mit Vertretern der Stiftung Sächsische Gedenkstätten zum Ausdruck gebracht. Gedenken an die Opfer nationalsozialistischer Verbrechen sollte verbinden und nicht durch aktuelle politische Konstellationen geprägt oder eingeengt werden. Wenn Erinnerung ihrer historischen Verantwortung gerecht werden soll, muss sie alle Betroffenen einbeziehen.

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