‚Nie wieder Krieg!‘ – Hat die alte Parole noch eine Zukunft?
Von Wolfram Wette
In seinem Vortrag zum 8. Mai reflektiert der Militärhistoriker Wolfram Wette die Geschichte des deutschen Pazifismus von der Weimarer Republik bis heute. Er zeichnet die Entwicklung des Antikriegsgedankens nach, beleuchtet die Kontinuität antirussischer Feindbilder und ordnet die jüngsten Entwicklungen – von der Wiederbewaffnung über den Kosovo-Krieg bis hin zur Eskalation in der Ukraine – kritisch ein. Wette plädiert für eine Rückbesinnung auf das Konzept der Gemeinsamen Sicherheit und sieht in der Parole „Nie wieder Krieg!“ nach wie vor eine zentrale politische Lehre deutscher Geschichte.
Einordnung: Eine vielschichtige, faktenreiche Analyse, die Erinnerungskultur und Friedenspolitik konsequent zusammendenkt. Wettes Blick auf verdrängte Kriegsverbrechen, persistierende Feindbilder und verpasste Chancen diplomatischer Verständigung liefert wichtige Impulse – gerade in einer Zeit, in der „Kriegstüchtigkeit“ wieder als Tugend gilt. Wer Frieden will, muss sich auch mit den historischen Tiefenschichten europäischer Sicherheitsinteressen auseinandersetzen.