Die Weltordnung war auch vor Trump/Venezuela/Grönland nicht „regelbasiert
Von Tobias Riegel
Tobias Riegel analysiert die mediale Empörung über Donald Trumps Außenpolitik und kontextualisiert sie mit dem langjährigen Verhalten früherer US-Regierungen. Er verweist auf hunderte militärische Interventionen, verdeckte Operationen und den Aufbau eines globalen Stützpunktnetzwerks der USA seit den 1990er-Jahren – vielfach unter dem Deckmantel von „Demokratie“ und „Menschenrechten“. Riegel kritisiert, dass viele dieser Aktionen vom Westen akzeptiert oder mitgetragen wurden, während man sich nun an Trumps unverblümter Sprache störe. Gerade deutsche Medien und Politiker, die sich bislang kaum an Kriegen der USA gestoßen hätten, stilisierten Trumps Politik nun zum Bruch mit einer angeblich „regelbasierten Weltordnung“ – ein Mythos, den Riegel entschieden zurückweist.
Einordnung: Der Beitrag dekonstruiert einen zentralen Topos westlicher Außenpolitik: das Bild einer wertegeleiteten, regelbasierten Weltordnung unter US-Führung. Riegels Analyse rückt die historische Kontinuität amerikanischer Machtpolitik ins Licht – und entlarvt die selektive Empörung vieler deutscher Akteure als taktisch motiviert. Für eine glaubwürdige Friedenspolitik bedeutet das: Wer internationale Rechtsbrüche verurteilt, muss dies unabhängig von der geopolitischen Zugehörigkeit tun – und endlich auch die Schattenseiten westlicher Bündnispolitik offen benennen. Nur so lässt sich ein wirklich souveräner und multipolarer Kurs begründen, der nicht in doppelten Standards gefangen bleibt.