In dieser Rubrik erscheinen wöchentlich ausgewählte Artikel aus unabhängigen, meinungsstarken Medien – zusammengestellt von meinem wissenschaftlichen Mitarbeiter. Als Abgeordneter bleibt im politischen Alltag oft zu wenig Zeit, um sich selbst täglich durch die Vielzahl an relevanten Beiträgen zu arbeiten. Deshalb erhalte ich regelmäßig ein fundiertes Pressebriefing, aus dem hier einige besonders lesenswerte Texte hervorgehoben werden. Die Auswahl setzt Impulse, regt zum Nachdenken an und eröffnet Perspektiven jenseits des etablierten Meinungskanons – zu Themen, die auch meine Arbeit im Landtag prägen: Frieden, Europa und die gesellschaftliche Entwicklung in Ostdeutschland.
Hinweis: Die hier empfohlenen Beiträge spiegeln nicht in jedem Fall die Positionen von Nico Rudolph oder seinem Team wider. Sie wurden aufgrund ihrer inhaltlichen Relevanz und Impulsstärke ausgewählt.
Globalbridge: Wie lange wird der Westen den Konflikt in der Ukraine noch verlängern? von Alexander Kouzminov
Zusammenfassung
Der russisch-neuseeländische Wissenschaftler Alexander Kouzminov analysiert in einem äußerst umfangreichen Beitrag die bekannten – teils geleakten – Friedenspläne der USA und der EU im Ukraine-Krieg. Dabei vergleicht er die jeweiligen Positionen zu zentralen Streitfragen wie Gebietsstatus, NATO-Mitgliedschaft, Truppenstärke, Sicherheitsgarantien und der Rolle eingefrorener russischer Vermögen. Insbesondere der EU-Plan wird dabei als unrealistisch, unbalanciert und provokativ beschrieben. Auch der Trump-Plan sei zwar pragmatischer, doch keineswegs ein echter Friedensplan, sondern vor allem geopolitisch motiviert. Kouzminov rekonstruiert zudem russische Positionen und Einschätzungen zum Verhandlungsprozess, unterlegt mit zahlreichen Zitaten und Quellen. Er kommt zu dem Schluss, dass weder die USA noch die EU derzeit zu echten Kompromissen bereit seien – mit weitreichenden Folgen für den weiteren Kriegsverlauf.
Einordnung
Kouzminovs Analyse macht deutlich, wie weit der Westen – insbesondere die EU – sich von einem ehrlichen Friedenswillen entfernt hat. Während Washington zumindest punktuell kompromissbereite Positionen signalisiert, entlarvt die europäische Variante der angeblichen Friedensvorschläge viele altbekannte Muster: geopolitische Doppelmoral, militärische Eskalation und der Versuch, wirtschaftliche Interessen hinter einer moralischen Fassade zu verbergen. Dass selbst Trumps Plan aus Moskau als Gesprächsgrundlage betrachtet wird, während Europa sich zunehmend aus dem Prozess herausmanövriert, ist bezeichnend. Gerade mit Blick auf eine eigenständige europäische Friedenspolitik zeigt der Artikel auf, wie dringend ein strategisches Umdenken notwendig wäre – jenseits von Kriegslogik, Waffenlieferungen und globalem Machtpoker.
NachDenkSeiten: Corona-Enquete-Kommission: Spahns Auftritt wird zum Desaster – Konsequenzen sind unabdingbar
von Marcus Klöckner
Zusammenfassung
Der Beitrag analysiert den Auftritt von Jens Spahn vor der Corona-Enquete-Kommission und stellt ihn in den Kontext seiner früheren Aussagen zur Impfung, insbesondere zur Begründung der 2G-Regel und der massiven gesellschaftlichen Ausgrenzung Ungeimpfter. Klöckner rekonstruiert anhand früherer Zitate, wie ein erheblicher Impfdruck politisch, medial und sozial aufgebaut wurde – oft unter dem Vorwand eines Fremdschutzes, den Spahn nun abstreitet. Der Artikel fordert Konsequenzen angesichts der tiefgreifenden Grundrechtseingriffe und stellt grundsätzliche Fragen nach politischer Verantwortung in einer Demokratie.
Einordnung
Die politische Aufarbeitung der Corona-Zeit ist überfällig – insbesondere dort, wo staatliches Handeln tief in die Lebensrealität vieler Menschen eingegriffen hat. Der Beitrag macht deutlich, wie politisch motivierte Maßnahmen wie 2G-Regeln oder faktischer Impfdruck nicht nur Vertrauen zerstört, sondern auch das gesellschaftliche Klima nachhaltig vergiftet haben. Eine demokratische und grundrechtsbasierte Politik muss aus dieser Erfahrung Konsequenzen ziehen. Der Ruf nach Aufarbeitung ist nicht rückwärtsgewandt – sondern Voraussetzung dafür, dass sich vergleichbare Spaltung und Entfremdung nicht wiederholen.
Manova: Jenseits roter Linien
von Günther Burbach
Zusammenfassung
Der Artikel berichtet über einen gezielten Angriff auf UN-Soldaten im Sudan, bei dem sechs bangladeschische Blauhelme getötet wurden – ein symbolträchtiger Einschnitt im eskalierenden Bürgerkrieg. Der Text zeichnet die zunehmende Entgrenzung des Konflikts nach, der sich seit dem Putsch von 2021 durch die Generäle Burhan und Dagalo zu einem brutalen Machtkampf entwickelt hat. Besonders hervorgehoben wird das internationale Versagen: fehlende Sanktionen, mangelnder Schutz für Hilfsstrukturen und eine schleichende Abkehr von der Verantwortung durch Rückzug aus dem Einsatzgebiet. Die Folge ist eine wachsende humanitäre Katastrophe, der die Weltöffentlichkeit kaum noch Beachtung schenkt.
Einordnung
Der Beitrag verweist eindrücklich darauf, wie leicht Kriege abseits europäischer und transatlantischer Interessen aus dem Fokus geraten – selbst wenn sie massive humanitäre Verwerfungen erzeugen und die Grenzen des Völkerrechts überschreiten. Auch hier zeigt sich: Friedenspolitik darf sich nicht nur auf prominente Kriegsschauplätze wie die Ukraine oder Gaza fokussieren, sondern muss globale Verantwortung ernst nehmen. Die Ignoranz gegenüber Konflikten wie im Sudan steht symptomatisch für eine selektive Weltordnungspolitik – und damit auch für die Notwendigkeit einer konsequent menschenrechtsorientierten, diplomatisch aktiven Außenpolitik, die nicht mit zweierlei Maß misst.
Manova: Eine geopolitische Randfigur
von Uwe Froschauer
Zusammenfassung
In seinem scharf formulierten Kommentar analysiert Uwe Froschauer die geopolitische Bedeutungslosigkeit der EU im Ukraine-Konflikt. Während sich zwischen Russland und den USA diplomatische Gesprächskanäle abzeichnen, werde Europa bewusst außen vor gelassen – auch, weil die politischen Eliten Europas laut Froschauer längst ihre Glaubwürdigkeit verspielt hätten. Er kritisiert den innenpolitischen Umbau Europas zur „Vorkriegsordnung“, wirft der EU Kriegsrhetorik und Eskalationsverantwortung vor und stellt den offiziellen Narrativen zu Russland aggressive Propaganda gegenüber. Als Hoffnungsschimmer verweist er auf zurückhaltende Signale aus Moskau und auf Stimmen wie Gabriele Gysi, die eindringlich für einen Kurs der Friedensfähigkeit werben.
Einordnung
Der Beitrag bringt eine Perspektive zur Geltung, die innerhalb der offiziellen Debatten in Europa kaum noch Raum bekommt: die Forderung nach diplomatischer Deeskalation, kritischer Medienreflexion und der Rückkehr zu einer multipolaren Friedensordnung. Dabei knüpft er auch an eine traditionsreiche Ost-West-Debatte an, die insbesondere im Osten Deutschlands weiterhin viele Menschen bewegt. Der Text ist streitbar und zugespitzt, doch er verweist auf einen zentralen Punkt friedenspolitischer Kritik: den Verlust europäischer Eigenständigkeit in der Sicherheits- und Außenpolitik sowie die Notwendigkeit, sicherheitspolitische Bedrohungsszenarien nicht zum Selbstzweck hochzuhalten. Wer Frieden will, darf nicht nur auf Aufrüstung setzen – diese Mahnung durchzieht den Text als roter Faden.
Jacobin: Wer Kriegstüchtigkeit sät, wird Faschismus ernten
von Raul Rosenfelder
Zusammenfassung
Der Artikel zeichnet eine ideengeschichtliche Linie von der Kriegsbegeisterung deutscher Intellektueller im Ersten Weltkrieg über die faschistische Ideologie der Zwischenkriegszeit bis hin zur heutigen Debatte um „Kriegstüchtigkeit“ in Deutschland. Raul Rosenfelder warnt davor, dass Aufrüstung, autoritäre Disziplinierungsfantasien und die Militarisierung des Denkens erneut in eine gefährliche politische Richtung führen könnten. Anhand historischer Parallelen und unter Rückgriff auf Umberto Ecos Faschismus-Merkmale zeigt der Autor, wie sich Ideologien der Uniformität, Feindmarkierung und Gewaltverherrlichung in die gegenwärtige politische Rhetorik einschleichen.
Einordnung
Der Beitrag öffnet den Blick für eine historische Tiefendimension der aktuellen Militarisierungsdebatte. Seine Kritik richtet sich nicht nur gegen konkrete Maßnahmen wie Aufrüstung oder Wehrdienstpläne, sondern gegen das dahinterliegende Menschenbild: die Rückkehr zu soldatischer Härte, nationaler Homogenität und autoritärer Ordnungsideologie. Die zentrale Botschaft: Wer gesellschaftliche Diversität, soziale Konflikte und demokratische Diskurse durch ein „kriegsbereites“ Einheitsdenken ersetzen will, ebnet totalitären Tendenzen den Weg. Gerade mit Blick auf aktuelle sicherheitspolitische Entwicklungen liefert der Artikel eine scharfe, aber wichtige Intervention – im Sinne einer Friedenspolitik, die politische Vernunft, historische Verantwortung und gesellschaftliche Pluralität verteidigt.
NachDenkSeiten: Mit einer Koalition der Willigen in den Ukraine-Krieg
von Sevim Dagdelen
Zusammenfassung
Sevim Dagdelen analysiert die jüngste Erklärung einer EU-geführten „Koalition der Willigen“ zur Ukraine als gefährlichen Schritt hin zu einer direkten Konfrontation mit Russland. Die geplanten Sicherheitsgarantien, Truppenstationierungen und Rüstungskooperationen kämen einer NATO-Mitgliedschaft der Ukraine durch die Hintertür gleich. Anstatt den Trump-Friedensplan aufzugreifen, werde der Krieg durch eine Eskalationslogik verlängert. Gleichzeitig warnt Dagdelen vor einem zunehmenden Druck auf kritische Stimmen und einer schleichenden Entdemokratisierung in der EU.
Einordnung
Dagdelen liefert eine eindringliche Warnung vor den sicherheits- und geopolitischen Folgen einer Militarisierung Europas unter deutschem Mitwirken. Ihr Beitrag steht in klarer Opposition zu jenen Kräften, die mit geopolitischen Planspielen und wirtschaftlichen Eigeninteressen eine weitere Eskalation riskieren. Der Artikel zeigt, wie die politische Führung der EU immer stärker auf Konfrontation statt auf Ausgleich setzt – mit dem Risiko eines offenen Kriegs. Die Kritik an Meinungsunterdrückung und Zensurmechanismen erinnert daran, dass Friedenspolitik auch Freiheitsrechte verteidigen muss. Gerade für eine realpolitisch fundierte Friedensperspektive bietet der Beitrag wichtige Denkanstöße.
Globalbridge: Auf dem Weg in den Krieg
von German Foreign Policy
Zusammenfassung
Während die Öffentlichkeit auf diplomatische Lösungen hofft, rüsten Berlin und Brüssel strategisch weiter auf. Der Artikel analysiert die Ergebnisse des jüngsten EU-Gipfels, bei dem die Stationierung europäischer Truppen in der Ukraine und eine massive deutsch-ukrainische Rüstungskooperation beschlossen wurden. Auch Kanzler Merz schließt einen Einsatz deutscher Soldaten in der Ukraine künftig nicht aus. Parallel dazu wächst der propagandistische Druck in Europa – inklusive Kriegsrhetorik und Forderungen nach gesamtgesellschaftlicher Mobilisierung.
Einordnung
Dieser Beitrag zeigt eindrücklich, wie weit sich die offizielle Ukraine-Politik von jedem Friedensansatz entfernt hat. Trotz der diplomatischen Rhetorik zielt das Handeln auf Eskalation: eine De-facto-NATO-Präsenz in der Ukraine, militärisch flankiert von einer tiefgreifenden Rüstungsallianz, bedeutet faktisch eine rote Linie gegenüber Moskau. Der Beitrag erinnert damit an die realpolitischen Risiken für Deutschland und Europa. In der Konsequenz stellt sich die Frage, wer eigentlich den Frieden verhindert – und wer die Konsequenzen der Eskalation zu tragen hat. Ein Beitrag, der eine kritische Auseinandersetzung mit dem gegenwärtigen sicherheitspolitischen Kurs einfordert.

