NachDenkSeiten
Von Detlef Koch
Detlef Koch analysiert die erste Regierungserklärung von Friedrich Merz als Rückfall in einen autoritären Liberalismus: Aufrüstung, marktkonforme Transformation und soziale Kälte prägen das Bild. Während außenpolitisch Führungsanspruch betont wird, bleiben Gerechtigkeit, Teilhabe und Fürsorge auf der Strecke. Die Kritik reicht vom Sozialabbau bis zur einseitigen Nahostpolitik unter dem Schlagwort „Staatsräson“.
Einordnung: Diese Rede zeigt, wie tief die politische Klasse im alten Denken feststeckt: Macht, Markt und Militär – das ist keine Zukunftsvision, das ist Rückschritt. Wer Verantwortung sagt, muss Gerechtigkeit meinen. Und wer Demokratie erhalten will, darf nicht die Mehrheit ignorieren. Diese Analyse trifft einen Nerv – und benennt, was fehlt: Mut zur sozialen Politik.
NachDenkSeiten
Von Gert-Ewen Ungar
Ungar beschreibt die Siegesparade in Moskau als Ausdruck einer neuen geopolitischen Ordnung – mit Gästen aus China, Brasilien, Palästina und vielen Ländern des Globalen Südens. Der Kontrast: Kein offizieller deutscher Vertreter war anwesend. Statt Diplomatie und Respekt setzt die Bundesregierung weiter auf Drohkulissen, Sanktionen und politische Selbstüberschätzung. Ungar kritisiert das als realitätsferne Realsatire und Abkehr von jeder glaubwürdigen Friedenspolitik.
Einordnung: Dieser Text bringt es auf den Punkt: Während die Welt sich neu sortiert, klammert sich Deutschland an vergangene Deutungshoheit. Keine Gesprächsbereitschaft, keine Demut, keine Vision. Wer sich weigert, mit am Tisch zu sitzen, spielt irgendwann keine Rolle mehr. Friedenspolitik beginnt mit Augenhöhe – nicht mit moralischer Selbstverblendung.
Manova
Von Uwe Froschauer
Der Artikel analysiert den aktuellen Friedensplan der USA und kritisiert scharf, dass eine vergleichbare Lösung bereits im März 2022 möglich gewesen wäre. Der Autor sieht die Hauptverantwortung für die Verlängerung des Krieges bei westlichen Regierungen, insbesondere bei den USA und der EU, die laut Froschauer bewusst auf Eskalation gesetzt hätten. Die Folgen dieses Kurses: Hunderttausende Tote, eine geschwächte EU und ein gestärktes Russland.
Einordnung: Wer diesen Artikel liest, erkennt: Die frühe Ablehnung von Verhandlungen hatte fatale Folgen. Die Friedensbewegung hat seit langem gewarnt – und wurde ignoriert. Heute rächt sich diese Arroganz der Macht auf dem Rücken junger Menschen, die für geopolitische Interessen geopfert werden. Eine schonungslose Analyse, die zum Nachdenken zwingt.
Globalbridge
Von Ralph Bosshard
Ralph Bosshard analysiert die Dynamik rund um die Gedenktage am 8. und 9. Mai und die gleichzeitigen militärischen Eskalationen in der Ukraine. Er kritisiert das Verhalten westlicher Staats- und Regierungschefs, die mit juristischen Drohkulissen und Sanktionen den Gesprächsfaden zu Russland weiter kappen – während Russland seinerseits klare Bedingungen für Verhandlungen signalisiert. Der Autor sieht die europäische Politik in einer Sackgasse aus Bedeutungslosigkeit und Realitätsverweigerung.
Einordnung: Wer verstehen will, warum Europa in der Ukraine keine Rolle mehr spielt, findet in diesem Text eine nüchterne Erklärung. Die USA machen längst ihre eigenen Deals – Europa spielt den Moralweltmeister, ohne militärisches Gewicht und ohne diplomatische Vision. Bosshards Analyse ist unbequem, aber wichtig: Für echten Frieden braucht es Ehrlichkeit und außenpolitischen Realitätssinn.
Manova
Von Ingrid Ansari
Die Autorin wirft einen kritischen Blick auf die politische und mediale Erzählung über die Ukraine. Sie beleuchtet vernachlässigte Aspekte wie rechtsextreme Strukturen im Militär, Einschränkungen der Pressefreiheit und den Umgang mit Opposition. Der Beitrag konfrontiert gängige Narrative mit belegten Beispielen – von Asow-Verbänden über das Verbot oppositioneller Parteien bis hin zur Plattform „Myrotvorez“.
Einordnung: Dieser Artikel zeigt, wie wichtig es ist, differenziert auf die Ukraine zu blicken – ohne die russische Aggression zu relativieren. Friedenspolitik beginnt mit Ehrlichkeit: Wer Freiheitskampf sagt, muss sich auch fragen lassen, wie es um Demokratie, Pressefreiheit und Rechtsstaatlichkeit im Land wirklich steht. Kritisches Denken darf nicht mit Parteinahme verwechselt werden.
NachDenkSeiten
Von Ruth Firmenich & Michael von der Schulenburg
Zwei BSW-Abgeordnete des EU-Parlaments, Ruth Firmenich und Michael von der Schulenburg, haben am 9. Mai 2025 den Roten Platz in Moskau besucht und eine Erklärung abgegeben, die sich deutlich gegen Geschichtsvergessenheit und Kriegsrhetorik richtet. Sie erinnern an die Opfer der Sowjetunion im Kampf gegen den Faschismus und kritisieren die deutsche Außenpolitik, die sich zunehmend von diplomatischen Ansätzen entfernt und stattdessen Eskalation und moralische Selbstgerechtigkeit betreibt.
Einordnung: Die Erklärung der beiden Abgeordneten setzt einen deutlichen Kontrapunkt zur vorherrschenden Tonlage in der deutschen Außenpolitik. Sie erinnert an die historische Verantwortung gegenüber der Sowjetunion und plädiert für eine Rückkehr zu Diplomatie und Verständigung. Inmitten einer zunehmend eskalierenden Rhetorik ist diese Position ein wichtiger Beitrag zur friedenspolitischen Debatte auf europäischer Ebene.
Manova
Von Ulrich Heyden
Ulrich Heyden berichtet über die Gedenkparade zum 80. Jahrestag des Sieges über Hitler-Deutschland am 9. Mai in Moskau – und über die Reaktionen westlicher Medien. Während in Russland Veteranen geehrt und der historischen Verantwortung gedacht wurde, dominierten in deutschen Kommentaren Spott, Abwertung und politisches Kalkül. Der Text zeichnet ein kritisches Bild der deutschen Medienberichterstattung und mahnt, Erinnerung nicht zum geopolitischen Machtinstrument zu machen.
Einordnung: Wer am 8. und 9. Mai an die Befreiung vom Faschismus erinnert, sollte das mit Respekt tun – gerade in Deutschland. Stattdessen wird der historische Beitrag der Sowjetunion gezielt relativiert. Heydens Beitrag ist eine notwendige Erinnerung daran, dass Gedenken Würde braucht – und Ehrlichkeit. Wer heute Frieden will, muss auch die Geschichte anerkennen.
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